Eine Bühne für Glückssucher

Die Suche nach dem Glück beschäftigt die Menschen seit es sie gibt. Und seit es das Theater gibt, findet die Glücksuche auch auf den Bühnen statt. In diesem Jahr haben wir uns dieser schönen Tradition besonders angenommen. Es beginnt mit einem ganzen Paket von Stücken, die wir zu unserem dritten Theaterspektakel Märchen und Mythen gebündelt haben. Unser Schauspielchef Peter Kube inszeniert zum Beispiel das Märchen von Hans im Glück für erwachsene Zuschauer gleichermaßen wie für Kinder als eine lustige und lustvolle Glückssuche.

Fast jeder kennt die Geschichte vom Hans der anfangs reich seinen Goldklumpen tauscht gegen ein Pferd, weil er des Schleppens müde ist und später eine Kuh ertauscht, weil er Lust auf ein Glas Milch verspürt. Und jedesmal nach dem Tausch erlebt er einen Moment des Glücks. Bis ihm wieder etwas anderes und besseres einfällt. Auch der Tausch zur Gans und zum Wetzstein ist wohlbegründet und so ist es schließlich eine ganze Kette von Glücksmomenten und vielleicht ein glückliches Leben.

Dass in einem einzigen Moment das Lebensglück sich bündeln kann, hat schon Altmeister Goethe notiert mit seiner unsterblichen faustschen Vision: «Zum Augenblicke möchte ich sagen, verweile doch Du bist so schön ...» Und im Stück «Die Ritter der Tafelrunde» von Christoph Hein heißt es: «Für eine kurze Zeit und sei es nur für einen Moment, war jeder von uns einmal glücklich. Und dieser winzige Moment unseres Glücks bedeutet, daß es den Gral gibt. Wir werden ihn vielleicht nicht finden, aber wenn wir aufgeben ihn zu suchen, werden wir beständig unglücklich sein.»

Dass kein Glück von ewiger Dauer ist, muss jeder begreifen, der eine Blume welken sieht, wie der kleine Prinz in der traumhaften Erzählung von Saint-Exupéry. Und dass das Glück gerade auch in der ewigen Dauer einer Beziehung bestehen kann, lehrt uns die Geschichte von Philemon und Baucis. Mit Cenerentola lässt sich träumen wie aus Asche und Staub eine Prinzessin ersteht. Und so vergleichen wir mit den Glücksmomenten unseres eigenen Lebens: Das Glück findet sich im Moment der Geburt und im Augenblick der Hochzeit, wenn ein Regenbogen entsteht und wenn man eine Flaschenpost findet. Wir sind auf der Suche gewesen nach Märchen und Mythen, die unser Leben prägen und sind als Glückssucher fündig geworden, nicht nur weil Märchen meist ein glückliches Ende haben und von Bedeutung sind fürs Menschsein, sondern vor allem, weil sie das behandeln, was wesentlich ist. Und so können wir Sie, liebe Zuschauer, nun einladen mit uns unterwegs zu sein auf unseren Bühnen, in unseren Geschichten auf den Spuren der schönen Geheimnisse, getreu dem Märchenmotto: Geh mit mir weiß nicht wohin. Hol mir das, ich weiß nicht was. Einmal hin und zurück – eine Reise ins Glück.

Ihr Manuel Schöbel

Intendant