Die Felsenbühne Rathen mitten im Herzen des Nationalparks Sächsische Schweiz

Historie

Alljährlich von Mai bis September wird die Felsenbühne Rathen, etwa 40 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Dresden im Nationalpark Sächsische Schweiz gelegen, zu einem Mekka der Theaterfreunde aus Deutschland und zunehmend auch aus dem Ausland.

Die Schönheit dieser wild-romantischen Felslandschaft entdeckten schon die Maler der Dresdner Kunstakademie Anton Graff (1736 - 1813) und Adrian Zingg (1734 - 1816) in ihren Bildern. Der Dresdner romantische Maler Ludwig Richter (1803 -1884) war es wohl, der mit seiner Radierung «Die Vogeltelle» als erster den Wehlgrund bildnerisch darstellte.

Dem Zeitgeist folgend, zog es in der darauf folgenden Zeit viele Naturliebhaber und «Sommerfrischler» mit der Bahn und dem Dampfschiff in dieses Gebiet der Sächsischen Schweiz. Als dieser Besucherstrom in Rathen nach 1933 zu versiegen drohte, sollte der Fremdenverkehr durch besondere Touristenattraktionen wieder angekurbelt werden. So wurde die Idee zur Errichtung einer Freilichtbühne geboren.

Bei der Eröffnung der Felsenbühne Rathen am 24. Mai 1936 wirkten von den 850 Einwohnern der Gemeinde Rathen etwa 200 auf und hinter Bühne mit.

Neben den Karl-May-Spielen ab 1938 wurden auch Gerhart Hauptmanns «Die versunkene Glocke» und das Singspiel «Preciosa» von Carl Maria von Weber aufgeführt.

1942 musste der Spielbetrieb kriegsbedingt eingestellt werden. Der Neubeginn wurde im Frühjahr 1946, nach dürftiger Instandsetzung der teilweise verfallenen baulichen Anlagen, durch das Gewerkschaftstheater Pirna mit der Operette «Der fidele Bauer» von Leo Fall gewagt. Nach einem Intermezzo 1949 durch die «Vereinigten Theater im Landkreis Pirna» mit Operetten wie «Im Weißen Rössl» und «Schwarzwaldmädel» übernahm 1950 die «Deutsche Volksbühne» die Organisation des Spielbetriebs und verpflichtete neben verschiedenen Ensembles auch die Landesoper Sachsen. Die Landesoper, aus der die Landesbühnen Sachsen hervorgingen,debütierte mit der Oper «Tiefland» von Eugen d Albert im Wehlgrund. Nach der Auflösung der Volksbühnen-Organisation 1952/53 wurde die Felsenbühne hauptsächlich durch das Stadttheater Meißen, das Theater der Jungen Generation Dresden und die Landesbühnen Sachsen bespielt.

Am 1. Pfingstfeiertag 1954 übernahmen dann mit der Premiere des «Götz von Berlichingen» von Johann Wolfgang von Goethe die Landesbühnen Sachsen die alleinige Bespielung der Felsenbühne Rathen.

Nach Beendigung dieser Spielzeit began der Umbau und die Modernisierung der Anlagen der Bühne:

Die Garderobenverhältnisse verbesserten sich. Ein vor der Bühne neu angelegter Orchestergraben entsprach der Größe des Orchesters und verbesserte die Klangqualität. Es entstanden neue Sanitäranlagen für Besucher Künstler und neue Zuschauerbänke wurden installiert. Durch Unwetterkatastrophen kam es immer wieder zu Rückschlägen. So verwüsteten in den Sommerspielzeiten 1955 und 1957 Unwetter Bühne und Zuschauerraum. Doch die Mitarbeiter der Landesbühnen Sachsen schafften es stets den Spielbetrieb in kürzester Zeit wieder aufzunehmen.

Auch nach der Hochwasserkatastrophe 2002 halfen die Künstler der Landesbühnen Sachsen bei der Beseitigung der Schäden, diesmal in der Gemeinde Rathen.

Carl Maria von Webers «Freischütz» ist seit 1956 «die» Erfolgsoper auf der Felsenbühne. Im Juni 2008 erlebte die mittlerweile 8. Inszenierung des «Freischütz» seine erfolgreiche Premiere. Und noch immer pilgern tausende Zuschauer gespannt und aufgeregt den Weg zur Bühne hinauf, um dabei zu sein, wenn Kaspar und Max in der schaurigen Wolfsschlucht zwischen den hoch aufragenden Wehltürmen die Freikugeln gießen. In der Inszenierung der Landesbühnen Sachsen steht «Der Freischütz» auch im Jubiläumssommer 2014 auf dem Plan. In diesem Jahr ist es nämlich die 60. Spielzeit (!), in der die Landesbühnen Sachsen mit einem vielfältigen Programm ihre Besucher, ob klein oder groß, zu fesseln und zu begeistern vermögen.

Neben den Klassikern der Opern- und Theaterliteratur standen bereits ab den 60er Jahren Inszenierungen für Kinder auf dem Spielplan. Nach den «Abenteuern am Mississippi» nach Mark Twain 1961 folgte 1970 Engelbert Humperdincks Märchenoper «Hänsel und Gretel», die bis heute ein fester Bestandteil des Spielplanes ist. Das «Märchen von Einem der auszog, das Fürchten zu lernen» (1975), «Der Soldat und das Feuerzeug» (1985) oder die Kindermusicals «Der gestiefelte Kater» (1999) und «Der Zauberer von Oss» (2001) gehören zu bleibenden Kindheitserinnerungen unzähliger Besucher. Dauerbrenner der letzten Jahre waren Astrid Lindgrens Geschichten von «Pippi Langstrumpf» und «Ronja Räubertochter». Nach dem erfolgreichen Märchen vom «Kalten Herz» folgte im Sommer 2008 die Märcheninszenierung von der «Feuerroten Blume».

Die Komödien und Tragödien Schillers, Goethes und Shakespeares lockten immer wieder tausende Besucher nach Rathen. In der wohl berühmtesten Liebesgeschichte des Theaters verlieben und verlieren sich «Romeo und Julia» seit Juni 2009.

Die Felsenbühne Rathen ist die Freilichtbühne mit der längsten Tradition der Karl-May Festspiele. Bereits vor 72 Jahren, 1938, ritten Karl Mays Helden hier über die Bühne. Nach 1945 gab es immer wieder Wild-West-Abenteuer - u.a. «Pferdediebe in Arkansas» nach Friedrich Gerstäcker und «Tochter der Dakota» von Helmut Menschel.

Die Landesbühnen Sachsen, die ihren Stammsitz in Radebeul, dem Wohn- und Sterbeort Karl Mays (1842- 1912) haben, fühlen sich seit 28 Jahren wieder dem weltweit bekannten Autor verpflichtet.

Mit dem «Schatz im Silbersee» - mit Jürgen Haase als Winnetou und Herbert Graedtke als Old Shatterhand - begann 1984 eine neue Serie der Karl-May Inszenierungen. Seitdem standen in jedem Jahr Wildwestabenteuer nach den Romanvorlagen des Schriftstellers Karl May auf dem Spielplan. Es folgten «Winnetou», «Der Ölprinz», «Winnetou II», «Old Surehand», «Unter Geiern», «Winnetou III» und von 2004-2006 «Winnetou I». «Der Schatz im Silbersee» von Olaf Hörbe erlebte am 23. Juni 2007 seine Premiere.

Im Sommer 2010 locken Winnetou und Old Shatterhand in der Abenteuergeschichte vom «Ölprinz» sicherlich wieder zahlreiche Karl-May-Fans aus ganz Deutschland in die sächsischen Berge.

Da wird ein Traum vom Wilden Westen wahr, wenn mutige Indianer auf ihren Pferden in die Arena preschen – gekonnt von den Schauspielern und Stuntleuten gespielt – und in die Abenteuerwelt von «Old Surehand» nach dem Buch von Karl May entführen.

Auch der blutrünstige Graf Dracula, aus Transsylvanien kommend, stattet in dem gleichnamigen Musical nach Bram Stokers berühmten Roman der Felsenbühne einen Besuch ab und jagt den Besuchern wohlige Gruselschauer über den Rücken. Mit echter Pferdekutsche und warmem Fackelschein spukt er vor der imposanten Naturkulisse und versucht, das Objekt seiner Begierde, die junge, hübsche Mina, in die er sich unsterblich verliebt hat, zu verführen. Begleitet werden die Sängerinnen und Sänger, umschwirrt von einem flatterhaften Fledermausballett, von der Elbland Philharmonie Sachsen, die das Musical in seiner mystischen Anziehungskraft eindrucksvoll und gewaltig in Töne setzt.

Mit einer richtigen Kutsche rollen auch der König und die Königin in der Uraufführung des Musicals «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» nach dem beliebten Film an, um für ihren Sohn die passende Braut zu suchen. Und wenn dann das herausgeputzte Aschenbrödel auf ihrem Schimmel Nikolaus hereinreitet und die originale Filmmusik erklingt, nimmt das Staunen und Wundern bei Alt und Jung kein Ende.

Um Liebe, Eifersucht und Neid geht es auch in der neuen Musicalaufführung, die die Landesbühnen exklusiv für die Felsenbühne inszenieren und die am 27. Juni 2014 Premiere haben wird: «Fame – Der Weg zum Ruhm» nach dem gleichnamigen amerikanischen Kultfilm aus dem Jahr 1980. Fame – das ist der große Traum von Karriere und Erfolg auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Und so machen sich junge Menschen auf, ihr Glück an der Talentschmiede der New Yorker «Highschool of Performing Arts» zu suchen. Als angehende Tänzer, Schauspieler und Musiker sind sie vielen Bewährungsproben ausgesetzt: Erfolg erfordert harte Arbeit, Niederlagen bleiben nicht aus, Intrigen und Missverständnisse behindern das Fortkommen, aber es gibt auch künstlerische Durchbrüche und schließlich die erste große Liebe... Blendende Musik- und Tanzszenen und die Vielzahl mitreißender Songs versprechen ein unvergessliches Musical-Erlebnis. Für unsere kleinen Zuschauer gibt es in der kommenden Spielzeit eine ganz besondere weitere Premiere auf der Felsenbühne: «Schule mit Clowns» von Friedrich Karl Waechter. Der Kindertheaterklassiker mit Musik lädt Kinder ab 6 und die ganze Familie auf die Felsenbühne ein, um zu erleben wie die aufmüpfigen Clowns den Schulalltag auf den Kopf stellen.

Auch die neu formierte Tanzcompagnie der Landesbühnen verspricht allen Tanz- und Ballettfreunden mit einer Premiere auf der Felsenbühne ein großartiges Erlebnis. Und wie seit vielen Jahren schöne Tradition erklingt gegen Ende der Freiluftsaison in konzertanter Aufführung Carl Orffs populäres Chorwerk «Carmina Burana» - ein grandioser Lobgesang auf die Lebensfreude und die Liebe.

Willkommen auf der Naturbühne Rathen, mitten im Nationalpark Sächsische Schweiz, zu einem großen Theatersommer!

Premieren der Karl May Stücke in Rathen:

  • 1938 - Karl-May-Spiele 29. Juni - August 1938 - «Bilder und Gestalten um Winnetou» mit «Schatz im Silbersee», bearbeitet von Richard Thalheim (Sächsischer Gemeindekulturverband )
  • 1939 - «Winnetou», bearbeitet von Richard Thalheim
  • 1940 - Wild-West-Spiele nach Karl May mit «Schatz im Silbersee» und «Ölprinz» mit dem Zirkus Sarrasani
  • 1941 - «Winnetou» in einer Neubearbeitung von Ludwig Körner
  • 1984 - «Schatz im Silbersee», Abenteuerstück frei nach Karl May von Helmut Menschel, Premiere: 9.6.1984 ( Winnetou - Jürgen Haase, Old Shatterhand - Herbert Graedtke)
  • 1987 - «Winnetou» von Uwe Wolf (Winnetou - Jürgen Haase, Old Shatterhand- Jürgen Polzin/ Norbert Braun)
  • 1990 - «Winnetou» (Winnetou - Olaf Hais, Norbert Braun -Old Shatterhand)
  • 1991 - «Der Ölprinz», Helmut Menschel (Winnetou - Olaf Hais; Old Shatterhand - Jürgen Haase)
  • 1992 - «Winnetou II» von Uwe Wolf - Brandanschläge auf die Bühne
  • 1995 - «Old Surehand» von Olaf Hörbe
  • 1998 - «Unter Geiern» von Olaf Hörbe
  • 2001 - «Winnetou III» von Olaf Hörbe (Winnetou - Jean-Marc - Birkholz, Old Shatterhand - Jürgen Haase)
  • 2004 - «Winnetou I» von Olaf Hörbe
  • 2007 - «Der Schatz im Silbersee» von Olaf Hörbe (Winnetou- Marc Schützenhofer; Old Shatterhand - Holger Uwe Thews)