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FRANK DER FÜNFTE Groteske von Friedrich Dürrenmatt/ Musik: Paul Burkhard

Als 2007 mit dem Crash der US-Immobilienmärkte die Krise an den Finanzmärkten begann, fragte man sich, wer die Zeche zu zahlen hätte. Inzwischen ist längst klar, dass die Verursacher der Krise auch ihre Gewinner sind: weder mussten Bänker auf Boni verzichten, noch hatten Börsianer längerfristige Verluste zu verkraften. Rettungsschirme waren schnell aufgespannt.

Dürrenmatt entwarf vor über 50 Jahren mit seiner „Oper einer Privatbank" eine groteske Schilderung der Praktiken einer Bänkersfamilie -- eine makabre Vorwegnahme aktueller Verhältnisse. Frank V. ist Chef einer Privatbank. Seit mehreren Generationen sind kriminelle Machenschaften die Grundlage der Geschäfte: Erpressung von Kunden und Mitarbeitern, Aktenschwindel, Bilanzenfälschung, Versicherungsbetrug, Mord. Da die Bank vor dem Ruin steht, beschließt er, zum Schein zu sterben, um -- von Steuerbehörden und Gläubigern erlöst -- seinen Lebensabend zu genießen. Die Finte klappte, wäre da nicht ein Erpresser, der alle Geheimnisse der Frank'schen Bank genau zu kennen scheint. Auch der Staatspräsident, an den sich Franks Frau Ottilie mit der Bitte um einen Prozess wendet, damit der Teufelskreis endlich durchbrochen und der „Familienfluch" gebannt wird, kann nichts tun: Nur bei Kleinigkeiten „hilft" der Staat. Wer so viele Verbrechen wie die Franks vorweisen kann, wird saniert. Der Scheck rettet Frank V. indessen nicht mehr, sondern nur noch den Erpresser, der sich zwar als sein eigener Sohn, bei weitem aber nicht als Unschuldslamm entpuppt. Die sechste Generation wird das Bankgeschäft im Sinne der Väter weiterführen.

„Es wurde behauptet, Menschen, wie ich sie im „Frank" zeige, gäbe es einfach nicht. Der Autor, als Beobachter der Menschen und seiner selbst, ist dessen nicht so sicher. Gewiss, meine Privatbank ist eine Fiktion. Aber wir alle wollen das Gute wie Franks Angestellte, glückliche Kinder, ein Häuschen in Maibrugg, Anständigsein. Seien wir auf der Hut, dass wir vom Guten nicht nur singen wie sie. (Darum gibt es Musik in diesem Stück.) Anständigkeit ist mehr als eine schöne Sentimentalität, Menschlichkeit mehr als eine Phrase: ein Wagnis ..." (Friedrich Dürrenmatt)

I: Arne Retzlaff

A: Stefan Wiel

 

BESETZUNG

Inszenierung Arne Retzlaff

Ausstattung Stefan Wiel

Musikalische Leitung Hans-Peter Preu

 

Frank der Fünfte Matthias Henkel

Seine Frau Ottilie Anke Teickner

Sein Sohn Herbert Johannes Krobbach

Seine Tochter Franziska Cordula Hanns

Prokurist Emil Böckmann Michael Heuser

Personalchef Richard Egli Mario Grünewald

Frieda Fürst Sandra Maria Huimann

Schalterbeamter Lukas Häberlein Johannes Krobbach

Schalterbeamter Gaston Schmalz Olaf Hörbe

Schalterbeamter Theo Kappeler Tom Hantschel

Päuli Neukomm Moritz Gabriel

Heini Zurmühl Johannes Krobbach

Kellner Guillome Komparse

Maschinenfabrikant Ernst Schlumpf Jost Ingolf Kittel

Hotelbesitzerin Apollonia Streuli Cordula Hanns

Uhrenfabrikant Piaget Jost Ingolf Kittel

Staatspräsident Traugott v. Friedemann Michael Heuser

Pfarrer Moser Jost Ingolf Kittel

Diener Jost Ingolf Kittel