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"Der Nackte Wahnsinn" an den Landesbühnen Sachsen

Komödie (Farce) von Michael Frayn, Deutsch von Ursula Lyn

 

Ein real existierender Blondinenwitz mit fallsüchtigen Haftschalen, ein begriffsstutziger Schauspieler, der nicht weiß warum er im Scheichskostüm vor der Steuer fliehen soll, eine Haushälterin, die statt des allein zu genießenden Sardinenfrühstücks das hektische Tohuwabohu unerwartet heimkehrender incoignitosüchtiger Wohnungsbesitzer ertragen muss und ein dem Alkohol verfallener schwerhöriger Altmime proben in einer von Eifersucht und Neid durchwobenen Atmosphäre für ein Theaterstück. „Der nackte Wahnsinn" (Noises off) von Michael Frayn gehört zu den meistgespielten Komödien auf den Bühnen der Welt. Sie ist Theater auf dem Theater in seiner absurdesten Ausprägung und tut dem Zwerchfell des sich vor schadenfrohem Lachen biegenden Publikums richtig weh. Erzählt werden drei Episoden aus dem Bühnenalltag eines Tourneetheaters, das mit dem harmlosen Lustspiel „Spaß muss sein" durch die Provinz tingelt. Schon während der Generalprobe -- dem ersten Akt der Komödie -- zeigt sich reichlich Konfliktpotential zwischen den exaltierten Schauspielern, das vom überforderten Regisseur nur weiter angefacht wird. Er hat neben der „Erregung und Hemmung" der Künstlertemperamente auch vergleichbare Prozesse mit der holden Weiblichkeit auszuhalten und muss zudem mit mäßig begabten Schauspielern eine Komödie inszenieren, deren Komik sich keinem so recht entschließt. Mit Ausnahme des Publikums natürlich, das an der köstlichen Situationskomik Spaß hat. Der zweite Akt zeigt die gleiche Spielszene -- allerdings aus der Hinterbühnenperspektive, die die inzwischen ungebremst im OFF ausgetragenen Konflikte zwischen den Schauspielern miterleben lässt. Der letzte Rest der gerade gespielten Komödie wird hinter den Kulissen zur aberwitzigen Farce geballter Tragik. Der dritte Akt schließlich -- wieder aus der Saalsicht erlebt -- offenbart die Katastrophe, die auf der Bühne entsteht, wenn das Gegeneinander der Akteure jede sinnvolle Handlung unmöglich macht. Der dem Zuschauer durch doppelte Wiederholung bekannte Handlungsablauf verkommt zur Groteske, die allerdings eine grandiose ist.

 

Inszenierung: Stefan Wolfram

Ausstattung: Ella Späte

 

Dotty Otley (Mrs. Clackett): Anke Teickner

Garry Lejeune (Roger Tramplemain): Michael Berndt

Brooke Ashton (Vicki): Sophie Lüpfert

Frederick Fellowes (Philip Brent/Scheich): Holger Uwe Thews

Belinda Blair (Flavia Brent): Sandra Maria Huimann

Selsdon Mowbray (Einbrecher): Michael Heuser

Lloyd Dallas, Regisseur: Matthias Henkel

Poppy Norton-Tayller, Regie Assistentin: Dörte Dreger

Tim Allgood, Inspizient: David Müller

Radebeul