Theaterpredigt zu «Verbrennungen»

Bühne und Kanzel im Dialog

 

Mit Christof Heinze, Pfarrer der Lutherkirche Radebeul, begann im Mai 2009 im Rahmen unseres Antikeprojektes eine neue inszenierungsbegleitende Veranstaltungsreihe: die Theaterpredigten.

Christentum und Theater verbindet seit jeher ein ambivalentes Verhältnis. Im Ursprung eng verwandt, begegnen sich Kunst und Religion häufig mit Skepsis. Den Streit zu einem produktiven zu machen, ist nur ein Ziel der Theaterpredigten, Gemeinsamkeiten aufzuspüren ein weiteres. Kirche und Theater verbindet, Ziel und Sinn des Lebens immer wieder neu zu befragen.

Diesmal wird sich Christof Heinze mit Esther Undisz' Inszenierung „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad auseinandersetzen. Regisseurin und Dramaturgin werden eine kurze Einführung in das Stück geben, so dass auch Zuschauer, die „Verbrennungen“ noch nicht gesehen haben, mit der Thematik vertraut gemacht werden.

Musikalisch begleitet wird der Abend von den beiden an der Inszenierung beteiligten syrischen Musikern Abed Sarraf und Thabet Azzawi und von Esther Undisz und Björn Reinemer.

Im Anschluss an die Predigt ohne rituellen Charakter haben Sie die Möglichkeit, mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen.

 

Zum Stück:

Verbrennungen
von Wajdi Mouawad 

Bei der Testamentseröffnung ihrer Mutter, Nawal Marwan, erfahren die Zwillinge Jeanne und Simon, dass ihr Vater noch lebt und sie noch einen Bruder haben. Beides stürzt sicher geglaubte Wahrheiten im Leben der jungen Erwachsenen. Zusammen mit Jeanne und Simon geht der Zuschauer auf Spurensuche im unbekannten Leben der verstorbenen Mutter. Wie in einem Krimi setzt sich langsam ein Bild zusammen, dass die Kinder in dem fernen Herkunftsland ihrer Mutter mit seiner fremden Kultur und Geschichte finden. Parallel dazu erzählen Rückblenden vom großen Aufbruch im Leben von Nawal. Mit 15 bekommt sie ein Kind, das ihr weggenommen wird. Sie wagt den Ausbruch, verläßt ihr Dorf, lernt Schreiben und versucht schließlich, mit einer eigenen Zeitung Aufklärung im beginnenden Bürgerkrieg zu betreiben. Doch der Krieg holt sie und ihre Freundin ein, schließlich greifen sie zu den Waffen. Nawal wird von den Milizen in einem Foltergefängnis gefangen gehalten. Erst am Ende des Krieges kommt sie frei und geht mit den Zwillingen außer Landes. Am Ende entdecken die Kinder eine Wahrheit, die ihnen ihre Mutter nicht erzählen konnte, vor der sie verstummt war. 

„Verbrennungen“ erzählt eine große Liebesgeschichte und stellt die Frage, wie der Faden der Gewalt und der Rache endlich zerrissen werden kann.

 

Regie: Esther Undisz; Ausstattung: Irina Steiner; Dramaturgie: Uta Girod; Musik: Thabet Azzawi, Abed Sarraf

Es spielen: Cordula Hanns, Sophie Lüpfert, Julia Vincze, Michael Berndt-Cananá, Michael Heuser, Holger Thews; Thabet Azzawi (Oud), Abed Sarraf (Gitarre)