Das Lachen hält uns vernünftiger als der Verdruss!

aus "Minna von Barnhelm"

Landesbuehnen Sachsen Radebeul Intendant Manuel Schöbel und Kfm Geschäftsführerin Artemis Willms

Intendant Manuel Schöbel und Kaufmänn. Geschäftsführerin Artemis Willms

Wir begrüßen Sie herzlich zur neuen Spielzeit 2019 | 20 an den Landesbühnen Sachsen!

Genießen Sie auch dieses Jahr wieder beste Unterhaltung mit den Landesbühnen Sachsen in Radebeul, dem Kurort Rathen und an vielen weiteren Spielstätten in ganz Sachsen! Es erwarten Sie 21 Premieren in den Sparten Schauspiel, Musiktheater, Tanz- und Figurentheater. Das junge.studio lädt zu neuen Werkstätten für schauspielbegeisterte Menschen jeden Alters und ist wieder an vielen Schulen und KiTas in Sachsen unterwegs. Und unsere Künstler und Mitarbeiter erwarten Sie nicht nur auf den großen Bühnen, sondern unterhalten und verzaubern auch immer wieder mit kleineren Programmen und Konzerten.

Die Landesbühnen Sachsen sind für Sie unterwegs - wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

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Interview der Geschäftsführung zur neuen Spielzeit 2019 | 20

* Gedruckt im Spielzeitheft 2019 | 20

 

1. Das Spielzeitmotto „Das Lachen hält uns vernünftiger als der Verdruss“  klingt verheißungsvoll. Warum steht die kommende Spielzeit für Sie unter diesem Motto?         

Schöbel: Wir haben diesmal noch länger nach dem Spielzeitmotto gesucht. Unsere Gegenwart ist von zahlreichen Widersprüchen und Konflikten gezeichnet. Die Gesellschaft ruht weniger in sich. Die Nervosität nimmt zu. Gegensätzliche Auffassungen werden immer unversöhnlicher vorgetragen. Interessenkonflikte lassen sich schwerer durch Kompromissangebote lösen. Aggressivität und Gewaltandrohung sind in der öffentlichen Kommunikation nicht mehr tabuisiert. Es ist zum aus der Haut fahren. Und man könnte Angst bekommen. Aber beides hilft nicht weiter. Wir müssen uns unser kollektives Selbstbewusstsein und ein Wir-Gefühl, das uns als große Gemeinschaft umfasst, immer wieder neu erobern. Kein Heimatland der Gruppen und Grüppchen, sondern eine gemeinsame, immer wieder neu zu schaffende Heimat. Das wird nicht leicht angesichts der komplizierten Durchdringung von nationalen und internationalen Konflikten. Aber wer hat versprochen, dass es leicht sein würde. „Das Leben hat eine verdammt große Handschuhnummer.“ sagt Erich Kästner dazu. Also werden wir Humor nötig haben. Umso mehr wir erfahren über die Gefahren, denen unsere Welt ausgesetzt ist, umso mehr Kraft wir brauchen, desto nötiger ist es auch immer wieder Abstand, Gelassenheit und eben auch Heiterkeit zu entwickeln und das Lachen nicht zu verlernen.

Unzufriedenheit als Dauerzustand fördert nur Sodbrennen und Faltenbildung. Engagement und Freude an der Arbeit lassen uns tiefer und freier atmen, stabilisieren den Kreislauf und sind am Ende noch gut für den Teint.

Willms: Es wird von jedem Theater auch eine gute Portion Unterhaltung erwartet. Und eine Landesbühne hat die besondere Verantwortung für ein möglichst breites Publikum zu spielen. Da hilft es natürlich, wenn man den direkten Draht zu den Zuschauer*innen hat. Wenn man weiß, was die Leute im Publikum bewegt. Und es ist von großem Vorteil wenn man es versteht die Leute zum Lachen zu bringen.

 

2. Das Programm der Landesbühnen ist immer anspruchsvoll und vielfältig. Worauf können sich die Besucher*innen der Landesbühnen Sachsen in dieser Spielzeit freuen?          

Schöbel: Auf jede Menge Neues. Es werden 21 Premieren in vier verschiedenen Sparten vorbereitet.

Willms:  Zusätzlich laden wir ein in unser Glasfoyer zu Ausstellungen, Matineen, Gesprächsangeboten und Konzerten, zu denen in dieser Spielzeit erstmalig auch Kammerkonzerte der Elblandphilharmonie gehören.

Schöbel: Erstmals gibt es außerdem eine direkte Zusammenarbeit zwischen Tanz und Figurentheater, die in der Inszenierung Rund ums Eck für die allerkleinsten Zuschauer ihre Kreativität bündeln.

Immer wieder suchen wir auch nach neuen Spielorten in unseren Kulturräumen und in ganz Sachsen und erscheinen überraschend, wo uns vor einem Jahr noch keiner vermutet hat

Willms: Oder wir  kehren an Orte zurück, in denen wir auf langjährige Freunde und Fans treffen. 

Schöbel:  Natürlich gibt es in den Ensembles neuengagierte Künstler, die das Team der Landesbühnen weiter verstärken.

Willms:  Ganz besonders freuen wir uns auf unsere neue Chefdramaturgin Frau Kerstin Weiß, die mit reichen Erfahrungen in allen Sparten des Theaters zu uns kommt.

Schöbel:  Neu und inzwischen fast fertig gebaut ist auch der Weg, auf dem unsere Besucher*innen zur Felsenbühne Rathen im Wehlgrund gelangen. Nach der Sommersaison 2019 wird der Weg fertiggestellt und eine andere große Baumaßnahme begonnen, die die Anziehungskraft der Felsenbühne weiter vergrößert und sie  auch in den nächsten Jahrzehnten konkurrenzfähig machen wird.

Willms:  Bereits vor rund zehn Jahren begannen  die Planungen für das Funktionsgebäude und den Bühnenbereich, und wir nutzen gern die Gelegenheit uns bei allen zu bedanken, die uns auf dem langen Weg bis zu diesem Punkt unterstützt haben. Es ist  der beste Ausdruck für die Wertschätzung, die die Landesbühne genießt,  dass der Freistaat Sachsen die finanziellen Mittel für diese komplexe Baumaßnahme bereitstellt.

Schöbel: Toll ist auch, wie unsere Partner*innen im Kurort Rathen im Nationalpark und bei den zuständigen Behörden uns bei der Suche nach einer während der kommenden Baumaßnahme notwendigen Interimsspielstätte helfend begleiten. Wir freuen uns und werden im Herbst mit Neuigkeiten zu den dafür geplanten Neuinszenierungen überraschen.


3. Zum Thema Genuss im Elbtal: Das Stammhaus Radebeul befindet sich in Sachsens „Wiege des Weins“. Welche besonderen „Genussfreuden“ stehen in der kommenden Spielzeit in Radebeul an?        

Willms:  Ein großer Höhepunkt wird  der  6. Theaterball unter dem Motto DIE GOLDENEN ZWANZIGER. Dazu laden am  8. Februar 2020 unsere Künstler*innen zur großen Gala und zu vielen aufregenden Kurzprogrammen ein. Zum Tanz spielt - getreu dem Ballmotto - diesmal ein Salonorchester. Für den kulinarischen Genuss sorgen auf unserer Sekt- und Seltersmeile verschiedene regional bekannte Gastronomen und selbstverständlich die edlen Tropfen der Sächsischen Weinstraße.

Ein besonders harmonischer Zusammenklang zwischen den Kunst- und den kulinarischen Genüssen entsteht auch in dieser Spielzeit bei allen gemeinsamen Veranstaltungen, die wir auf und mit Schloss Wackerbarth durchführen. Da sind für den Sommer ‘19 wieder Vorstellungen der Reihe Ballett im Weinberg geplant, wo unsere Tanzcompagnie vor malerischer Kulisse mit den Tanzstücken Gräfin Cosel, Bolero und Schwanensee brillieren wird. Und natürlich gibt es auch wieder die Mitwirkung unserer Künstler*innen beim Sommernachtsball auf Schloss Wackerbarth, der in Sommer 2019 nach Sizilien führt.

 

4.2019 und 2020 sind Jahre der Erinnerung. Die Landesbühnen Sachsen erinnern sich nicht nur der sächsischen und deutschen Geschichte, sondern auch der eigenen in besonderer Weise.

Schöbel:  Wir werden in unserem Glashaus, das sich so einladend zur Meissner Straße hin öffnet, eine Ausstellung und Performance zu 30 Jahre friedliche Revolution - Geschichte in Geschichten- in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung installieren.

Ab dem 9. November 2019 wollen wir hier in verschiedenen Gesprächs-Formaten unsere Gäste aus Radebeul und ganz Sachsen einladen. Unterschiedliche Erfahrungen mit Umbruch und Neuanfang und auch gegensätzliche Bewertungen sollen unser Denken und unsere Sinne schärfen.  In der gegenwärtigen polarisierenden gesellschaftlichen Debatte kann uns der Blick in die Vergangenheit Orientierung bieten. 

Willms:  Wir wünschen uns die aktive Teilnahme unserer Zuschauer*innen. Ab sofort können Sie Ihre Anregungen und Vorschläge für die Ergänzung einer solchen Ausstellung bei uns abgeben. Gefragt sind Briefe, Fotos und Gegenstände, die Ihre ganz persönliche „Wendegeschichte“ erzählen.

Und dann gilt es auch noch eigene Jubiläen zu begehen. Im Jahr 2020 werden die  Landesbühnen 75 Jahre alt und spielen seit 70 Jahren hier in Radebeul.  Die Felsenbühne wiederum wird seit 1954 durch die Landesbühnen bespielt. Erinnerungen werden wach an das Wirken großartiger Künstler*innen.  Fotos und Filmaufnahmen denkwürdiger Inszenierungen werden gesichtet.

Schöbel:  Und schließlich fragen wir unser Publikum nach besonderen Erlebnissen, bleibenden Eindrücken aus der Geschichte unseres Theaters. Schicken Sie uns Fotos, Programmhefte und Zeitungsauschnitte, und schreiben Sie so mit an der Geschichte der Landesbühnen Sachsen. Und dass dabei nicht nur schöne und romantische und lustige Begebenheiten, sondern auch manches schwierige Kapitel ausgeleuchtet wird, liegt in der Natur des Erinnerns.

 

5. Wie beschreiben Sie die Strahlkraft eines „mobilen Theaters“,  wie man die Landesbühnen Sachsen oft charakterisiert,  auf den ländlichen Raum, aber auch auf die sächsischen Großstädte?  

Willms: Gemeinsam mit unserem Partner, der Elblandphilharmonie Sachsen, bemühen wir uns unseren Zuschauer*innen Festtage des geistigen Genusses zu bereiten. Wir gestalten kulturelle Höhepunkte im Jahreslauf und geben Woche  für Woche vielen Menschen Gelegenheit sich anregen und verwöhnen zu lassen. Wir sind fest verwurzelt im Leben der Stadt Radebeul und der Gemeinde Kurort Rathen, aber auch ständig präsent bei unseren Gastspielpartnern in Pirna und Meißen, in Bad Schandau und Torgau, in Hoyerswerda und Bad Elster, in Bautzen und Freiberg und an vielen weiteren Orten in Sachsen und Deutschland und manchmal darüber hinaus.

Es ist eine zentrale Vision für die sächsische Identität, dass es sich lohnen soll auf dem Land und in den Städten fernab der großen Zentren zu leben. Wir leisten unseren Beitrag, indem wir in Kulturhäusern und Kirchen, in Burgen und Schlössern, in Gasthäusern und Jugendklubs, in Schulen und Kitas, in ehemaligen Kinos und stillgelegten Bahnhöfen, auf Freilichtbühnen und auf Marktplätzen Theater spielen.

Schöbel:  Im Sinne der kulturellen Bildung sind wir dabei besonders nahe dran an den Heranwachsenden. Unser junges.studio ergänzt den Spielplan außerdem mit einer Vielzahl partizipativer Angebote.

Das Theater bietet für alle Zuschauergruppen Anregung, Unterhaltung und Bildung in einem. Es ist darüber hinaus ein Ort der Kommunikation, wo die verschiedensten Menschen sich treffen. Und die Geschichten, die auf dem Theater gespielt werden, sind Modelle der Realität. Es lässt sich im Theater viel  für das Leben lernen, wenn es zuerst einmal gilt zuzusehen, zuzuhören, den Mitmenschen zu achten, auf Unbekanntes neugierig und unvoreingenommen zu schauen und auf andere Erfahrungen vorurteilfrei zu hören.  Manches davon ist uns im Alltag abhandengekommen und ganz gewiss trägt das Theater zu einem kulturvollen und respektvollen gesellschaftlichen Miteinander bei. Und das Beste ist: man hat Spaß dabei. 

BEIDE:

Wir würden uns freuen, wenn Sie - unserem Spielzeitmotto folgend - auch in der kommenden Spüielzeit unsere gutgelaunten Gäste sein werden!

 

Herzlich

Ihre Artemis Willms - Ihr Manuel Schöbel