VERNISSAGE "WELTTHEATER/THEATERWELTEN"

DAS SCHAFFEN UND WIRKEN VON STEFAN WIEL DER VERGANGENEN 18 JAHRE AN DEN LANDESBÜHNEN SACHSEN

246 Produktionen. In Worten: zweihundertsechsundvierzig. So viele Produktionen hat der Ausstattungsleiter und Bühnenbildner Stefan Wiel während seiner Laufbahn erarbeitet. 110 Arbeiten entstanden an den Landesbühnen Sachsen.  Davon unberührt bleiben die zahlreichen nicht realisierten Projekte.

Das gehört zum Theateralltag, auch unabhängig von Corona und Lockdown. Ideen kommen und gehen. Begonnen hat der gebürtige Dresdner seine Laufbahn an den Landesbühnen Sachsen im Jahr 2003. Das war vor 18 Jahren. Heute, im Jahr 2021, blickt er auf abwechslungsreiche Jahre und interessante Begegnungen zurück.  Dazu zählt er unter anderem die enge und gute Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Schauspieldirektor der Landesbühnen Sachsen, Arne Retzlaff, der für ihn nicht nur ein angenehmer Kollege, sondern auch ein inspirierender Weggefährte gewesen ist.

Weitere prägende Zeitgenossen sind u.a. der Musiktheaterregisseur Horst O. Kupich, der ehemalige Ballettdirektor der Landesbühnen Reiner Feistel und der Dirigent Jan Michael Horstmann. Doch auch vor seiner Zeit in Radebeul war Stefan Wiel keineswegs untätig. Am Theater der Jungen Generation in Dresden half er mit, das Theater für die Kleinsten neu aufzubauen. Weitere Engagements führten ihn als Bühnen– und Kostümbildner u.a. an das Staatsschauspiel Dresden und an die Theater in Freiberg und Bautzen, wo er ebenfalls als Ausstattungsleiter tätig war. Daneben und dazwischen war Stefan Wiel auch immer wieder freischaffend tätig. So führten ihn seine Gastengagements an die Oper Chemnitz, das Anhaltische Theater Dessau, die Oper Halle, das Gärtnerplatztheater in München und an die Komische Oper Berlin. Diese Zeit empfindet Stefan Wiel heute als prägend und lehrreich für sein weiteres künstlerisches Schaffen.

Mit seinem Antritt an den Landesbühnen Sachsen kamen neue Herausforderungen. Auch der Intendantenwechsel von Christian Schmidt hin zu Manuel Schöbel zählte dazu. Mit dem Ausbau des Konzepts: „Mobiles Theater für Sachsen“ brach eine neue, aufregende Zeit an den Landesbühnen an. Bühnenbilder und Ausstattungselemente müssen stets so konzipiert werden, dass sie nicht nur im Radebeuler Stammhaus, sondern auch auf anderen Bühnen in den Gastspielorten verwendet werden können. Stefan Wiel ist fasziniert von der Spektakel-Idee, die seit der Intendanz von Manuel Schöbel ordentlich Fahrt aufgenommen hat. Erfrischend daran ist für ihn die besondere Herausforderung, mehrere Aufführungen zur gleichen Zeit stattfinden zu lassen, im Extremfall sogar bis zu neun Premieren an einem Abend. Das erfordert viel Hingabe und eine durchdachte Organisation! Highlights der vergangenen Jahre waren für ihn unter anderem die Spektakel über Karl May und Irrtümer I-III. Auch die Zusammenarbeit mit den Studierenden des Studiengangs Bühnenbild_szenischer Raum an der Technischen Universität Berlin unterstützte und begleitete Stefan Wiel. Hier trafen jugendliche Frische und langjährige Erfahrung aufeinander: eine anregende Mischung! Denn nicht nur die Vielfalt des Programms, sondern auch die der Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, machen für Stefan Wiel seine Tätigkeit an den Landesbühnen so besonders. Das betrifft in direkter Zusammenarbeit die Kolleg*innen der Kostümabteilung, der Maske und der Requisite, sowie der Theaterwerkstätten, der Bühnentechnik und der Beleuchtung. Vor allem die Möglichkeit selbstständig kreativ zu arbeiten beflügelt ihn immer wieder. Besonders interessant war es für ihn, die Ausstattung für die Brechtschen Stücke „Baal“ (Regie: Arne Retzlaff), „Arturo Ui“ (Regie: Peter Kube) und „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (Regie: Manuel Schöbel) zu kreieren. Die scharfe Zeichnung, die Klarheit der Figuren in Brechts Theater und die Verbindung künstlerischer Tradition mit moderner Interpretation  begegneten ihm bereits im Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und ließen ihn seitdem nicht mehr los.

Zeit beschreibt Stefan Wiel als knappe und wichtige Ressource im Theateralltag. Sich Zeit zu nehmen für kurzfristige Anliegen, wichtige Gespräche mit den Kolleg*innen und die Ausarbeitung eines stimmigen Konzepts ist essentiell für eine gute Arbeit. Doch nicht immer reicht die Zeit aus und nicht immer ist man mit dem Ergebnis zufrieden. So ist das mit dem Theater - Erfolg und Misserfolg liegen nah beieinander. Den Misserfolg als Chance zu begreifen und damit die eigene künstlerische Entwicklung voranzutreiben, das ist eine Lebensaufgabe, wenn man sich dem Theater verschrieben hat. Und das hat Stefan Wiel. Denn sein Beruf gehört für ihn, auch nach seinem Abschied von den Landesbühnen, unmittelbar zu seinem Leben dazu. Schließlich gibt es noch zahlreiche Ideen, die erdacht, diskutiert und umgesetzt werden wollen!